Durch die Lizenzausbildung bietet Pilatus seinen Luftfahrzeugmechanikern, -spenglern und -elektrikern attraktive Karriereperspektiven, spannende Auslandseinsätze sowie die Möglichkeit, wertvolle Sprachund Praxiserfahrungen zu sammeln.
Was mit einer Ausbildung zum Anlagen‑ und Apparatebauer begann, führte Lukas Mathis Schritt für Schritt in eine Schlüsselrolle. Heute sorgt er als Fachausbildner für die Zulassung der Ausbildungsverantwortlichen – und begleitet die nächste Generation auf ihrem Weg zu neuen Talenten.
Im fünfköpfigen Fachausbildungsteam der Montage und Maintenance Repair Organisation (MRO) bringt er nicht nur fundiertes Fachwissen ein, sondern auch viel Engagement für die Ausbildung. Seine grösste Motivation ist es, Trainingsverantwortliche weiterzubilden, Lizenzträger in ihrer Entwicklung zu stärken und sein Know‑how weiterzugeben.
Lukas trägt die Verantwortung für die Train‑the‑Trainer‑ Ausbildung und koordiniert die gesamte Ausbildungsberatung. In den Vorgesprächen informiert er angehende Lizenzträger umfassend über ihren Ausbildungsvertrag, die damit verbundenen Pflichten sowie ihren individuellen Ausbildungs- und Rotationsplan.
Zudem agiert er als zentrale Schnittstelle zur Qualitätssicherungsstelle und zum Schweizerischen Verband Flugtechnischer Betriebe (SVFB), der die theoretischen Lerninhalte bereitstellt. Gleichzeitig treibt Lukas die Optimierung der Ausbildungsprozesse voran – etwa mit dem neuen Teams‑Kanal, der die Vernetzung der Lizenzkandidaten und aller beteiligten Fachstellen erleichtert und einen ortsunabhängigen Zugriff auf sämtliche relevanten Informationen ermöglicht.
Von der Theorie zur Praxis
Die Lizenzausbildung vermittelt die Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) nach Part‑66, Part‑145 und Part‑147 und legt damit die technischen und regulatorischen Grundlagen für die Lizenzkategorien B1 (mechanisch) und B2 (elektrisch). Spezialisierte Verfahren – die sogenannten S‑Lizenzkategorien – etwa für Spenglerarbeiten oder den Fahrwerksunterhalt unterliegen den nationalen Vorschriften des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL). Eine gültige Lizenz berechtigt Fachpersonen, Instandhaltungsarbeiten gemäss den geltenden gesetzlichen und technischen Vorgaben auszuführen, zu überwachen und zu bescheinigen.
Die Ausbildung dauert rund vier Jahre und startet mit einer intensiven Theoriephase im «Blended Learning»‑Format. Dieses kombiniert webbasiertes Selbststudium mit klassischem Präsenzunterricht. Die Modulblöcke sind so aufgebaut, dass beide Lernformen optimal ineinandergreifen – für ein flexibles und zugleich effizientes Lernen. Das Selbststudium erfolgt zusätzlich zur regulären Arbeitszeit und erfordert ein hohes Mass an Eigenmotivation und Disziplin. Im Anschluss an die theoretische Ausbildung beginnt das praktische Training, in dem das «Logbook» als zentrales Element der B1‑ und B2‑Zulassung Schritt für Schritt erarbeitet wird.
Für jeden Flugzeugtyp ist zudem ein eigener Lizenzeintrag erforderlich. Beim ersten Typeneintrag wird parallel zum Logbook ein typenspezifischer Syllabus durchlaufen. Dieser belegt das notwendige «On‑the‑Job-Training» und stellt sicher, dass die praktischen Fähigkeiten direkt am jeweiligen Flugzeugtyp erworben und lückenlos dokumentiert werden.
Auf dieser Grundlage bauen die Lizenzanwärter unter fachkundiger Anleitung ihre praktischen Kompetenzen gezielt aus. Sie prüfen Bauteile, führen Instandhaltungsarbeiten durch, bewegen Flugzeuge sicher am Boden und bereiten sie für die nächsten Arbeitsschritte vor.
Durch die verschiedenen Rotationen erhalten sie Einblick in sämtliche Bereiche der Assembly und MRO‑Linie. Sie durchlaufen alle Prozessschritte eines Flugzeugs und vertiefen ihr technisches Know‑how. Die Ausbildung endet mit der eidgenössischen Berufsprüfung, die zur offiziellen Lizenz führt.
Jährlich starten rund sechs Kandidaten ihre Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss eröffnen sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von spezialisierten Maintenance‑Aufträgen über internationale FSE‑Einsätze direkt beim Kunden bis hin zur Tätigkeit als Certifying Staff. Der Bedarf an qualifizierten, lizenzierten Flugzeugmechanikern, -spenglern und -elektrikern wächst stetig – und damit auch die Nachfrage nach entsprechender Ausbildung.
Vom Lizenzträger zur Führungskraft
Dass die Lizenzausbildung nicht nur ein Türöffner für eine Fachkarriere ist, sondern auch den Weg in Führungsfunktionen ebnen kann, zeigt das Beispiel von Roman Truttmann besonders eindrücklich. Seine Entwicklung bis hin zum Abteilungsleiter der Flugzeugendmontage nahm mit der B1‑Lizenzausbildung ihren Anfang.
Welche Bedeutung hatte die Lizenzausbildung für deinen Weg?
Die Ausbildung war für mich der Startpunkt – ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Sie hat mir das technische Fundament gegeben, auf dem ich meine Laufbahn in der Aviatik aufgebaut habe.
Welche Inhalte begleiten dich bis heute im Arbeitsalltag?
Nebst dem technischen Wissen begleiten mich bis heute überraschend viele Inhalte. Das Modul «Human Factor» unterstützt mich beispielsweise dabei, Gefahren, Belastungen und Teamdynamiken frühzeitig zu erkennen und einzuordnen. Auch die Themen aus «Aviation Legislation», etwa rechtliche Leitplanken oder Ausnahmeregelungen, prägen nach wie vor meine Entscheidungsfindung sowie zahlreiche Gespräche.
Was war für dich der wichtigste Nutzen aus der Ausbildung?
Für mich stechen das aufgebaute Netzwerk und die praktischen Erfahrungen während der Rotation heraus. Dort habe ich zahlreiche Abteilungen intensiv kennengelernt. Durch diese eigenen Erfahrungen weiss ich heute genau, wie die Abläufe funktionieren, verstehe die Zusammenhänge sowie die dahinterliegende Komplexität – und kenne die richtigen Ansprechpersonen, wenn Fragen auftauchen.
Was macht die Lizenzausbildung für dich besonders?
Die Mischung macht’s! Theoretisches Wissen und praktische Arbeit. Sie eröffnet nicht nur während der Ausbildung spannende Einblicke, etwa durch anspruchsvolle Arbeiten wie einen Triebwerkswechsel, sondern schafft auch einen nachhaltigen Mehrwert. Sie liefert eine solide Basis für sämtliche aviatischen Prüfungen und öffnet den Weg in Fach‑, Projekt‑ und Führungsfunktionen.
Wem würdest du die Ausbildung empfehlen?
Jedem, der sich beruflich weiterentwickeln und langfristig etwas aufbauen möchte. Die Lizenzausbildung ist weit mehr als ein nächster Karriereschritt – sie ist eine Investition in die Zukunft.