Flugzeuge 11.05.2015

Vergangene Erstflug-Episoden

Der letzte Erstflug, der des PC-21, fand vor 13 Jahren statt. Ein Blick in die Pilatus Geschichte zeigt, dass alle Erstflüge jeweils einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung der Firma markierten. Sie verliefen von Typ zu Typ jedoch ganz unterschiedlich.

Wann immer ein neuer Pilatus Flugzeugtyp zum ersten Mal in die Luft abhob, bedeutete das für die Firma ein weiterer Schritt in eine erfolgreiche Zukunft – fast immer. So ging beispielsweise der SB-2 Pelikan, der seinen Erstflug am 30. Mai 1944 absolvierte, nicht in Serienproduktion. Der für Flüge mit niedrigen Geschwindigkeiten konzipierte SB-2 konnte sich nicht durchsetzen. Eine private Firma in Bern übernahm das einzig je hergestellte Flugzeug dieses Typs für den kommerziellen Einsatz. Bei einer Landung auf Graspiste im Juni 1948 erfolgte ein Bruch der Bugradstrebe: Das Flugzeug wurde in der Folge nicht mehr repariert und aus dem Verkehr gezogen.

Auch für den P-4 ging es nach dem Erstflug im März 1948 nicht mehr weiter. Die Zulassung des Prototyps und eine allfällige Serienfertigung wurden nicht in Erwägung gezogen, man hatte andere Projekte im Köcher.

Andere Typen von Pilatus, z. B. der P-1, der P-5 oder PC-10, von welchen es nur Zeichnungen gibt, hoben höchstens als Papierflugzeuge ab! Jeder Typ oder jedes Konzept bildeten jedoch die Basis für ein weiteres Modell – das eine erfolgreich, das andere weniger.

Erstflug vor dem Erstflug

Der PC-8, ein zweimotoriges Flugzeug übrigens, hob im November 1967 zum ersten Mal ab. Hans Galli, der damalige Testpilot, sagte am «offiziellen Tag» des Erstfluges zur Presse: «Es ist üblich bei der Erprobung von Prototypen, dass jeweils vor dem offiziellen Erstflug Testflüge stattfinden. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Flugerprobung kann dann zum offiziellen Erstflug gestartet werden.» Leider erfüllten sich die Hoffnungen, welche mit dem PC-8 Twin Porter in Verbindung standen, nicht. Technische (oder vielmehr aerodynamische) Schwierigkeiten im Erprobungsprogramm führten im Dezember 1968 zum Verzicht auf eine Weiterführung der Entwicklung zur Fabrikationsreife. Das Flugzeug war schlicht und einfach nicht richtig fliegbar. Die Zeiten also, in denen man einfach mal fliegen ging und schaute, ob es vielleicht funktioniert, sind heutzutage definitiv vorbei!

Zertifiziert nach fünf Monaten

Grosse Erfolge waren hingegen von Anfang an der P-2, der P-3 und vor allem der PC-6, dessen erster und einziger Prototyp eine besonders bemerkenswerte, wenn auch kurze Geschichte verzeichnete. Der erste Pilatus Porter wurde einen Monat nach seinem Erstflug bereits am internationalen Pariser Flugsalon ausgestellt. Nur fünf Monate nach dem Erstflug erhielt er die definitive Zulassung durch das Eidgenössische Luftamt. Im heutigen Umfeld sind solche Fristen undenkbar. Bereits am 12. März 1960 startete das Flugzeug zum fast 10 000 Kilometer langen Überflug nach Nepal zur Unterstützung der Dhaulaghiri-Expedition. Landungen auf über 5000 Meter Höhe über Meer heimsten dem PC-6 damals bereits den ersten Weltrekord ein!

Nach dem Erstflug des PC-7, oder besser gesagt eines umgebauten P-3, am 7. April 1966, hatte der Testpilot Rolf Böhm nur Gutes zu berichten. Das finale Modell oder der tatsächliche PC-7 flog dann neun Jahre später, nämlich am 7. Mai 1975. Der PC-7 MkII, welcher übrigens eine völlige Neukonstruktion darstellt und nichts mit dem PC-7 zu tun hat, flog 1992. 

Erstflug 30 Tage nach Rollout

Unter den erwartungsvollen Blicken hunderter begeisterter Zuschauer fand der Erstflug des PC-12 am 31. Mai 1991 statt – nur gerade 30 Tage nach dem Rollout! Von den Verantwortlichen wurde damals einiges abverlangt. Der Erstflug war ein voller Erfolg, so dass der Pilot Galli im Interview auf die Frage, weshalb der Flug statt der geplanten 36 Minuten, 42 Minuten gedauert hatte, schmunzelnd antwortete: «Naja, das Wetter war toll, und der PC-12 so schön zu fliegen, dass ich die Kurven einfach etwas ausdehnte. Das Feeling war super! Der PC-12 fliegt sich wie ein Airliner.» Und das macht der PC-12 doch heute noch! 

Am Montag, 1. Juli 2002 erfolgte der letzte Erstflug eines Pilatus Flugzeuges: der des PC-21. Spätestens als Bill Tyndall einstieg, strömten alle Mitarbeitenden zum Flugfeld. Um genau 10 Uhr und 11 Minuten hob der schwarze Vogel vor zahlreichen Zuschauern ab. Schon kurze Zeit nach dem Takeoff wirkte die Stimme des Testpiloten über Funk sehr vertrauenserweckend – genauso wie es der PC-21 eben ist.